Die Auslosung für die erste Runde im Olympischen Turnier brachten für die vier deutschen Boxer eigentlich lösbare Aufgaben hervor. Wobei allerdings realistisch eingestanden werden muss, dass man fast jeden Gegner für unsere Mannen als zu Groß einstufen muss. So musste der Berliner Mittelgewichtler Konstantin Buga sich dem gerade erst 19 Jährigen Ecuadorianer Carlos Gongora mit 14 zu 7 Punkten geschlagen geben.
Im durchaus ganz gut besetzten Mittelgewicht ist Gongora aber gerade einmal zum erweiterten Blickfeld zu zählen und umso mehr schockiert schon fast die Art und Weise der Niederlage. So hatte Buga zu keinem Zeitpunkt des Kampfes die Kontrolle über diesen und wurde Phasenweise vorgeführt.
Als nächster Deutscher wird nun der Darmstädter Jack Culcay-Keth ins Ringquadrat steigen. So hat er am Sonntag die Gelegenheit, die Schlappe seines Landsmannes gegen den Südkoreaner Kim Jung-Joo wegzumachen. Zwar hat im Weltergewicht Culcay-Keth wohl realistisch gesehen ebenfalls keine Medaillenchance, allerdings trifft er in Jung-Joo auf einen der wohl schwächsten dieser Division.
Einen Tag später wird dann im Federgewicht Wilhelm Gratschow aus Gifhorn an den Start gehen. Gegner wird der Tunesier Alaa Shili. Damit muss man geradezu von absolutem Losglück sprechen, denn Shili ist einer der größten Außenseiter in dieser Gewichtsklasse. Aber auch Gratschow wird von den meisten Experten ebenfalls als Underdog bezeichnet.
Die einzige wirkliche Chance auf eine Medaille für Deutschland im Boxen könnte der Bantamgewichtler Rustam Rahimov haben. Und in der ersten Runde erwischte er mit dem Usbeken Hoorschid Tojibajew eine durchaus machbare Aufgabe. Warum einige Deutsche Presse- und Medienvertreter eigentlich bei allen vier losen von teilweise sehr schweren Aufgaben sprechen, spricht eher für das derzeitige Niveau im Deutschen Amateurboxsport.
So sorgte unter anderem auch der verzicht des Deutschen Bundestrainers Helmut Ranze bei vielen für Kopfschütteln und es ist teilweise gar von einem im Stich lassen für seine Schützlinge die Rede. Auch die Begründung für den Nichtantritt der Reise wirkte mehr als schwammig…:
„Er (Adolf Angrick, Anm. der Redaktion) ist noch ein wenig älter als ich, für ihn ist es die letzte Chance, noch mal bei Olympia dabei zu sein...“
Für einen Schock im Olympischen Lager sorgte der Amerikanische Boxer Gary Russell Jr. Dieser musste noch unbedingt Gewicht machen, um das Limit von 54 kg zu erreichen. Dabei erlitt der 20jährige nach einer „Abkoch-Laufeinheit“ einen Kollaps und sank ohnmächtig in seinem Zimmer zusammen. Sein Stubenkamerad alarmierte sofort Arzt und Trainer und Ihm soll es medizinisch gesehen auch wieder gut gehen. Allerdings strich man den Geheimfavoriten im Bantamgewicht dennoch aus dem Kader, da der Boxer total frustriert sei. So soll dieser nur noch davon gesprochen haben, so schnell wie möglich wieder nach Hause zu wollen.
Ebenfalls am Gewicht scheiterte der Leichtgewichtler und Weltmeister Frankie Gavin. Dieser galt als einer der Top Leute in der Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm. Allerdings brauch er sich wohl auch ohne Goldmedaille keine Angst um seine Zukunft machen. So ist zu hören, dass Frank Warren und auch Mike Hennssy bereits Ihre Fühler nach dem 23jährigen ausgestreckt haben.
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