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Nachberichte

Geschrieben
 am Sonntag, 12.09.2010

Respect.4 macht das Unmögliche möglich

Der frischgebackene Champion Björn Schmiedeberg (r.) und Andreas Kraniotakes (Alle Fotos von Valentino Kerkhof/sportmma.eu)

Dass der MMA-Sport in Deutschland in der letzten Zeit einen Quantensprung nach vorne gemacht hat, ist schon seit langem kein Geheimnis mehr. Einer der Fahnenträger dieser Bewegung ist Respect.FC von Veranstalter Ben Helm. Den mittlerweile vierten Event der 2009 zur besten nationalen Veranstaltung gekürten Eventreihe bestaunten am Abend des 11. September fast 1.300 lautstarke Zuschauer in der bis auf wenige Plätze ausverkauften Stadthalle von Herne. Wie bei den bisherigen Veranstaltungen gelang es auch dieser erneut, die Messlatte in punkto Spannung, Action, Unterhaltung und Matchmaking im MMA-Sport höher zu schrauben. Der einzige Wermutstropfen des Abends war die Ankündigung, dass Respect.5 erst im Frühling des nächsten Jahres stattfinden soll.

Schug vs. Balci

Das Vorprogramm

Fabian Löwke setzte sich im ersten Kampf des Abends gegen den Marler Christian Spieker nach Punkten (3-0) durch, nachdem er speziell im zweiten Durchgang schöne Treffer landen konnte und in der Full Mount war. Ein verbissenes Gefecht lieferten sich Donovan Panayiotis und Malte Große: Während Große den Niederländer im ersten Durchgang zu Boden schlagen konnte, drehte dieser den Spieß in Runde zwei um und schickte den Münsteraner zu Boden. Panyiotis blieb am Drücker und sicherte sich den Mehrheitsentscheid (2-0) der Punktrichter.

Nicola di Loreto gab in seinem Kampf gegen Giuseppe Pezolla von Beginn an Vollgas und begeisterte das Publikum mit wilden Schlagserien und Superman Punches. Nach knapp anderthalb Minuten traf ein Schlag Pezolla voll, und Ringrichter Marco Broersen war zur Stelle, um den Kampf abzubrechen.

Für Amateurkämpfe ungewohnt intensiv und hart ging es zwischen Daniel Meinhardt und Raphael Michels weiter. Michels suchte von Beginn an sein Heil in der Offensive, wurde von Meinhardts überlegenen Boxkünsten aber stets abgefangen. Michels zeigte sich trotz schwerster Treffer und gezeichnetem Gesicht wenig beeindruckt und marschierte weiter nach vorne, wurde zu Beginn der zweiten Runde aber durch den Handtuchwurf seiner Ecke zurückgepfiffen.

Nikos Arvanitis dominierte die erste Runde gegen Andre Schug im Stand und am Boden fast nach Belieben. Im zweiten Durchgang kehrte Schug aber wie Phönix aus der Asche zurück und machte seinem Gegner mit seinem Kämpferherz das Leben schwer. Ein Punktabzug besiegelte jedoch seine Niederlage, und Arvanitis wurde der Punktsieg (3-0) zugesprochen. Arne Boekee aus den Niederlanden zeigte eine reife Leistung gegen Julian von Cölln, den er zügig zu Boden brachte und dort mit einem Triangle Choke bezwang.

Cemal Balci stoppte Pierre Kißling in der ersten Runde mit einem Kimura, nachdem er im Stand aggressiver war und dort bereits punkten konnte. Daniel Kimmling und Maurice Kelleners Begegnung war gelinde gesagt eher weniger attraktiv. Nach Ablauf der Kampfzeit wurde der Kampf Unentschieden gewertet.

Das Fundament

„Die Prinzessin“ Nils Stuecke erkämpfte sich gegen Dennis Rau nach einer kurzen Phase im Stand den Takedown und direkt danach die Mount. Stuecke legte sofort mit Ground and Pound los und setzte dann zum Armhebel an. Rau bewies erstaunliche Flexibilität und drehte sich wieder aus dem Aufgabegriff heraus – ebenso aus dem kurz darauf folgenden zweiten Armhebel. Zurück im Stand ging Rau mit Kicks in die Offensive, doch dann stieß Stuecke ihn zu Boden und beendete den Kampf mit Ground and Pound aus der Mount.

Michael Erdinc und Kerim Engizek zeigten in ihrem Kampf im deutschen MMA-Sport selten gesehene feinste Boxtechniken. Beide Kämpfer begeisterten das Publikum mit blitzschnellen Schlagwechseln, aus denen sich jedoch keiner einen klaren Vorteil erkämpfen konnte. Mitte der Runde entsinnte sich Erdinc aber, dass es ein MMA-Kampf war, und er schoss zum Takedown. Am Boden attackierte er Engizik mit mehreren Submissions, doch wusste sich der Düsseldorfer zu verteidigen.

Im zweiten Durchgang war es Engizek, der sich im Stand speziell mit seinem knackigen Jab Vorteile zu verschaffen wusste. Erdinc holte ihn deshalb erneut zu Boden und ging dieses Mal methodischer vor. Der Essener erarbeitete sich die Full Mount und zwang Engizek Mitte der Runde mit einem Armbar zur Aufgabe.

Boy Eggels bleibt auch nach Respect.4 ungeschlagen: In einem weitestgehend auf dem Boden geführten Kampf setzte sich der Holländer gegen Stefan Heber aus Münster einstimmig nach Punkten (3-0) durch. In der relativ ausgeglichenen Runde eins beförderte Eggels Heber zweimal mit einem schönen Hüftwurf auf die Matte, aber Heber konnte ihn aus seinen dominanten Positionen wieder sweepen. In Runde zwei agierte nur noch Eggels. Nach einem Takedown in die Guard passierte er in die Half Guard und kontrollierte Heber bis zum Ende des Kampfes mit Schlägen.

Ruben Crawford und Stefan Larisch standen sich in der „Keilerei von Köln“ gegenüber. Dass es bei dem Kampf der Schützlinge der Luta Livre Schwarzgurte Mike Cüppers bzw. Andreas Schmidt um mehr als nur den Sieg ging, war früh klar. Crawford legte mit extrem fokussiertem Blick los und punktete mit Boxtechniken, während er Larischs Takedownversuche mit harten Knien vereitelte. Mit diesen Knien schickte er Larisch wenig später zu Boden und beendete den Kampf mit Ground and Pound.

Alexander Heinrich zeigte in seinem Kampf gegen den Essener Judo-Schwarzgurt Daniel Jacko, dass mit ihm stets zu rechnen ist. Der Bremer mit der Vorliebe für kurzfristige Kämpfe gegen starke Gegner begann aggressiv, wurde von Jacko aber sehenswert zu Boden geslammt. Jacko punktete am Boden mit härter werdenden Schlägen, musste sich wenig später aber wieder im Stand mit einem Heinrich auseinandersetzen, der wie ein verletzter Löwe nachsetzte. Eine Minute vor Rundenende erwischte Heinrich Jacko mit einem krachenden Highkick, der den Kampf beendete.

Alexandra Sanchez aus Wuppertal, Siegerin des letzten Jewels-Turniers in Japan, setzte gegen die Holländerin Melissa Lan ihre Erfolgsserie fort. Sanchez dominierte den Kampf in den ersten beiden Runden klar im Stand. Sie gewann fast jeden Schlagabtausch und behielt auch im Clinch die Oberhand. In der dritten Runde dann, nach weiteren Treffern im Stand, der Schockmoment: Nachdem Sanchez das Geschehen mit einem Trip-Takedown auf den Boden verlagerte, nahm Lan sie in den Triangle Choke. Minutenlang war Sanchez im Würgegriff gefangen, doch sie verschaffte sich immer wieder ein bisschen Luft zum Atmen. Ihr Durchhaltevermögen machte sich bezahlt, denn nach den drei Runden wurde sie mehrheitlich zur Punktsiegerin (2-0) erklärt.

Bis zur dritten Runde sah der Düsseldorfer Andreas Birgels, der nach mehrmonatiger Verletzungspause seine Rückkehr feierte, gegen den holländischen Shooto Amateur-Europameister Jeffrey Waltmans wie der sichere Sieger aus. In Runde eins gelang Birgels ein Takedown in die Side Control. Er nahm die Mount ein und ließ Schläge hageln. Waltmans drehte sich und gab seinen Rücken frei. Birgels streckte ihn aus, doch aus dem Rear Naked Choke wurde nichts. Einen Armhebelversuch nutzte Waltmans zum Sweep in die Side Control aus. Er wechselte von der Kruzifixposition in die Mount, aber Birgels sweepte ihn in die Guard.

Dasselbe Spiel in Runde zwei: Schlagabtausch zu Beginn, Birgels mit dem Takedown in die Side Control. Ground and Pound aus der Mount von Birgels. Als Waltmans einen Escapeversuch wagte, konterte Birgels mit einem Armhebel, der Waltmans jedoch nicht zur Aufgabe brachte. In der dritten Runde startete Waltmans sein furioses Comeback: Takedown in die Side Control, Positionswechsel in die Kesagatame. Waltmans setzte mit den Beinen einen Schulterhebel an. Birgels verteidigte, woraufhin Waltmans – immer noch mit den Beinen – zum Straight Armbar überging und Birgels damit zur Aufgabe zwang.

Mit Balint Kemecsei vom American Top Team hatte Veranstalter Ben Helm einen schwer einzuschätzenden Gegner für den Lokalmatador Christian Kroetsch gefunden. Kroetschzilla störte das wenig, und er bedrohte den gebürtigen Ungarn schnell mit einem Guillotine Choke. Nachdem er Kemecsei mit einem Takedown wenig später von den Beinen geholt hatte, erarbeitete Kroetsch sich die Full Mount und von dort aus den TKO-Sieg.

Die erste Liga


Der Kölner Judoka Nick Hein und der Hamburger Kamil Lipski lieferten sich über drei Runden eine verbissene Schlacht, aus der Hein als einstimmiger Punktsieger hervorging und somit seine weiße Weste im MMA-Sport behielt. In Runde eins kam Hein des Öfteren mit seiner Linken durch, während Lipski mit Kniestößen punktete. Beide landeten Treffer im Stand, doch Hein war effektiver. Zu Beginn der zweiten Runde tauschten sie Lowkicks aus. Lipski traf mit einem rechten Schwinger, wurde aber kurze Zeit später von Hein mit einem Takedown in die Side Control von den Beinen geholt. Als Hein in die Mount wollte, gelang Lipski der Sweep, doch beide landeten außerhalb des Rings.

Takedowns waren das Motto der dritten und letzten Runde. Nachdem Hein wieder mal mit seiner Linken traf, war er mit einem Takedown erfolgreich, allerdings durch die Seile. Vom Ringrichter zurück in den Stand beordert, ging Hein sofort wieder zum Takedown über – diesmal in die Guard von Lipski. Hein arbeitete mit Ground and Pound und passierte in die Side Control. Lipski stand wieder auf, aber Hein verfrachtete ihn erneut auf den Boden. Lipski stand noch einmal auf, woraufhin Hein die Runde mit einem erneuten Takedown abschloss. Die Punktrichter werteten einstimmig (3-0) für Hein.

Talent gegen Veteran hieß das Motto des Kampfes zwischen Christian Eckerlin und Sebastian Baron. Zu Beginn diktierte der alte Hase aus Wuppertal das Geschehen mit variablen Lowkicks. Nach einem kurzen Stopp wegen eines Tritts in Eckerlins Unterleib schien er aber etwas aus dem Konzept, und der junge Frankfurter übernahm das Ruder, indem er mit Schlagserien nach vorn stürmte. 57 Sekunden nach Beginn des Kampfes kam der Knall: Eckerlin erwischte Baron mit einem linken Haken, der den Wuppertaler KO zu Boden gehen ließ. Während er frenetisch jubelte, hatte Eckerlin schon Cengiz Dana im Visier und ließ ihn lauthals wissen, dass es bei deren zukünftigen Aufeinandertreffen bei GMC 2 heiß hergehen wird.

Zweieinhalb Runden lang hatte der Hamburger Judoka Andreas Bernhard den Sieg schon in der Tasche: Er brachte den Holländer Ben Boekee mehrfach zu Boden und bearbeitete ihn minutenlang mit Ground and Pound aus der Guard. Dann beging er kurz vor Schluss des Kampfes einen folgenschweren Fehler: Er sprang aus dem Stand mit einem Schlag in die Guard des Holländers und wurde sofort mit der Triangel begrüßt. Boekee zog den Würgegriff zu und beendete damit den Kampf zu seinen Gunsten. Er ist nun einer der Herausforderer auf den vakanten Federgewichtstitel von Respect.FC.

Thorsten Klein aus Marl hatte nach seinem Sieg bei Respect.3 einen Gegner aus der „German Top 5“ im Schwergewicht gefordert – stattdessen bekam er den Karlsruher Janosch Stefan: Vizeweltmeister im Combat Sambo und Goldmedaillengewinner bei den diesjährigen World Combat Games. Stefan ließ Klein zuerst kommen, clinchte mit ihm in der Ringecke und feuerte anschließend ein Knie aus dem Thaiclinch ab, das Klein schwer zusetzte. Kurz darauf folgte ein weiterer Kniestoß, nach dem Klein nur noch auf wackeligen Beinen dastand, woraufhin der Ringrichter – nach weniger als einer Minute – den Kampf beendete. Stefan blieb so auch in seinem zweiten MMA-Kampf ungeschlagen.

Die Schlacht von Herne


Für den Kampf um den vakanten Respect.FC Schwergewichtstitel legten die beiden Mustersportler und Gutmenschen Andreas Kraniotakes und Björn Schmiedeberg den Schalter um und wechselten in den Kampfmodus. Früh konnte Kraniotakes dem Kampf seinen Stempel aufdrücken, indem er seine physische Überlegenheit nutzte, um Schmiedeberg in der Ecke zu stellen und ihn mit guten Boxkombinationen in Bedrängnis zu bringen. Danach begann Schmiedeberg, die offenen und für ihn nachteiligen Schlagwechsel zu meiden, und versuchte, den Kampf mit seinen patentierten Trip-Takedowns zu Boden zu bringen.

Kraniotakes wehrte sich dagegen anfangs erfolgreich, fand aber in den folgenden Runden zugleich weniger Erfolg in seiner eigenen Offensive. Schmiedeberg passte sich zudem im Striking schnell an den Koblenzer Koloss an, da er sich mehr und mehr auf eine Überfalltaktik konzentrierte, die er mit harten Schwingern und einer ganzen Palette an verschiedenen Kicks erfolgreich anwendete. Kraniotakes gelang es im Laufe des Kampfes nicht mehr, sich auf seinen Gegner einzustellen und ihn unter Druck zu setzten.

Erst in der fünften und entscheidenden Runde der Schlacht – wer hätte das vor dem Kampf schon gedacht? – bekam er Aufwind und setzte schöne Treffer. Er erkämpfte sich sogar die Full Mount, doch heißt Schmiedeberg mit Spitznamen nicht umsonst „Die Gazelle“. Flink entkam er der schlechten Position und wurde anschließend mit Punktwertungen von 49-48, 49-47 und 49-47 zum verdienten Schwergewichtschampion von Respect.FC gekrönt.

Respect.4
11. September 2010
Stadthalle Herne


Amateur (2x4 min.)
Fabian Löwke (DE) bes. Christian Spieker (DE) nach Punkten (einstimmig)
Donovan Panayiotis (NL) bes. Malte Große (DE) nach Punkten (mehrheitlich)
Nicola di Loreto (DE) bes. Giuseppe Pezolla (DE) via TKO (Punch) nach 1:27 in Runde 1
Daniel Meinhardt (DE) bes. Raphael Michels (DE) via TKO (Towel) nach 1:09 in Runde 2
Nikos Arvanitis (DE) bes. Andre Schug (DE) nach Punkten (einstimmig)
Arne Boekee (NL) bes. Julian von Cölln (DE) via Triangle Choke nach 2:31 in Runde 1
Cemal Balci (DE) bes. Pierre Kißling (DE) via Kimura nach 3:31 in Runde 1
Maurice Kelleners (NL) und Daniel Kimmling (DE) trennen sich Unentschieden

Semi-Pro (2x5 min.)
Nils Stuecke (DE) bes. Dennis Rau (DE) via TKO (Punches) nach 4:09 in Runde 1
Michael Erdinc (DE) bes. Kerim Engizek (DE) via Armbar nach 3:15 in Runde 2
Boy Eggels (NL) bes. Stefan Heber (DE) nach Punkten (einstimmig)
Ruben Crawford (DE) bes. Stefan Larisch (DE) via TKO (Knie) nach 2:11 in Runde 1
Alexander Heinrich (DE) bes. Daniel Jacko (DE) via KO (High Kick) nach 4:07 in Runde 1

Pro (3x5 min.)
Alexandra Sanchez (DE) bes. Melissa Lan (NL) nach Punkten (mehrheitlich)
Jeffrey Waltmans (NL) bes. Andreas Birgels (DE) via Armbar nach 0:52 in Runde 3
Christian Kroetsch (DE) bes. Balint Kemecsei (US) via TKO (Punches) nach 3:05 in Runde 1
Nick Hein (DE) bes. Kamil Lipski (DE) nach Punkten (einstimmig)
Christian Eckerlin (DE) bes. Sebastian Baron (DE) via KO (Punch) nach 0:57 in Runde 1
Ben Boekee (NL) bes. Andreas Bernhard (DE) via Triangle Choke nach 3:46 in Runde 3
Janosch Stefan (DE) bes. Thorsten Klein (DE) via TKO (Knie) nach 0:49 in Runde 1

Pro Heavyweight Title Fight (5x5 min.)

Björn Schmiedeberg (DE) bes. Andreas Kraniotakes (DE) nach Punkten (einstimmig)

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