Es war der größte Eklat, den der Boxsport seit Jahren erlebt hat. Schon jetzt ist der Kampf zwischen Vitali Klitschko und Dereck Chisora in die Annalen des Faustkampfes eingegangen, jedoch weniger wegen der zweifellos respektablen sportlichen Leistung vor allem Chisoras, sondern wegen dessen respektlosen Verhaltens vor und nach dem Kampf.
Er ohrfeigte Gegner Vitali beim Wiegen, spuckte dessen Bruder Wladimir ins Gesicht und prügelte sich mit Landsmann David Haye und dessen Trainerstab auf der Pressekonferenz nach dem Kampf. Haye meldete sich nun, nach der Schlägerei, Wort:
„Ich bedauere, dass ich dieses Statement abgeben muss, um Dinge klar zu stellen“, so Haye, der als Analyst für den britischen TV-Sender Box Nation bei der Pressekonferenz anwesend war, auf seiner offiziellen Internetpräsenz.
„Was in München auf der Pressekonferenz passiert ist, war Wahnsinn. Ich war in Deutschland um mir den WBC Schwergewichtstitelkampf zwischen Vitali Klitschko und Dereck Chisora anzusehen. Ich stand hinter den Kameramännern bei der Pressekonferenz und habe mich nicht bemerkbar gemacht, bis ich von Bernd Bonte plötzlich grundlos provoziert wurde, was ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen konnte. Er und Klitschko hatten scheinbar nichts Besseres zu tun, also wollte ich herausfinden, ob Vitali bereit wäre das zu schaffen, was schon sein kleiner Bruder versprochen hatte: mich auszuknocken!“
„Wie dem auch sei, Chisora mischte sich plötzlich ein, beleidigte mich auf übelste Weise und kam dann auch noch mit seiner Mannschaft aggressiv auf mich zu. Dazu kündigte er lautstark an, mir zwei Ohrfeigen hier vor Ort zu geben“, so der frühere Boxweltmeister weiter. „Ich musste mich behaupten und die Situation eskalierte - eine Geschichte, die die Reputation unseres geliebten Sportes ankratzen könnte. Leider mischten sich dann auch noch Don Charles (Chisora´s Trainer, d. Red.) und auch Adam Booth (Haye´s Trainer) und andere Teammitglieder ein. Booth trug dabei eine Platzwunde davon. Glücklicherweise hat der Krawall nicht lange angedauert und alle Parteien haben sich beruhigt, obwohl Chisora sagt, er plane mich demnächst zu erschießen.
Ich habe den Schauplatz möglichst schnell verlassen und ging zu meinem Hotel, um die angespannte Situation zu entschärfen, doch da ich wusste, dass Chisora und sein Team im gleichen Hotel hausten, haben Adam und ich uns dazu entschlossen, auszuchecken und München zu verlassen.
Sonntagmorgen habe ich das Land mit einer frühen Maschine verlassen und mir Gedanken über das Geschehene gemacht, während ich mir den Vorfall auf YouTube immer und immer wieder angesehen habe. Ich muss sagen, ich bin bitter enttäuscht, an dieser bescheuerten Aktion beteiligt gewesen zu sein. Ich weiß, ich bin kein Engel und ich rede gern ein wenig Stuss, um noch mehr Aufmerksamkeit auf meine Kämpfe zu lenken, aber in meinen 21 Jahren im Boxsport habe ich nie so einen Tumult erlebt. Ich stehe den Behörden jederzeit zur Verfügung und ich hoffe, dass jeder etwas daraus gelernt hat. Ich weiß, ich habe viel in den wenigen Stunden begriffen. Zudem hoffe ich, dass auch Dereck Chisora aus seinen Fehlern am Wochenende gelernt hat. Er sollte seinen Fehltritt wiedergutmachen und dann seinem Potential im Ring gerecht werden.“
Ob Hayes Flaschenangriff mit der darauf folgenden Schlägerei auf der Pressekonferenz in München weitere Konsequenzen nach sich zieht, wird man in den nächsten Tagen erfahren. Bislang sieht es so aus, als würde der "Hayemaker" straffrei ausgehen. Im Gegensatz zu Chisora, der bekam nun nämlich vom Bund Deutscher Berufsboxer eine 70.000 Dollar-Strafe aufgebrummt (Rund 53.000 Euro). Das Geld geht an gemeinnützige Einrichtungen und wurde bereits von seiner 500.000 Dollar Kampfbörse (378.000 Euro) einbehalten.
Auch er entschuldigte sich inzwischen "von ganzem Herzen". Viel wird ihm das jedoch nicht bringen.
"Ich möchte diesen Mann nie mehr im Leben in einem deutschen Boxring sehen", so BDB-Präsident Thomas Pütz. Und auch in Chisoras Heimat England und weltweit beraten die Verbände BBBofC und WBC derzeit über eine einjährige Sperre für "Del Boy".
Bis dahin wird sich WBC Champion Vitali Klitschko unter Umständen gedulden müssen. Er hatte angekündigt, gern einen Rückkampf gegen Chisora bestreiten zu wollen, da der seiner Ansicht nach noch eine "richtige Strafe" verdiene.
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