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Kategorie: Allgemein, Boxen, Kolumnen

Kommentar: Cotto vs. Foreman

Von: Mark Bergmann
- Freitag, 4. Juni 2010
Cotto und Foreman.

Am kommenden Samstag wird das Yankee Stadium in der New Yorker Bronx zum Schauplatz eines recht seltenen Schauspiels werden: Statt Bälle werden dieses Mal Fäuste im Zentrum des riesigen Stadions fliegen, wenn Miguel Cotto (32-2, 27 KO) gegen WBA Champion Yuri Foreman (28-0, 8 KO) sein Debüt im Halbmittelgewicht geben wird.

Schon die Bilanzen beider Kämpfer machen es deutlich: Dem bislang ungeschlagenen Foreman fehlt die nötige Schlaghärte - KO-Power: Fehlanzeige. Etwas, das ebenso deutlich wird, wenn man sich die Promo-Fotos der Beiden ansieht, ist der immense Größenvorteil, den der Israeli gegenüber Cotto besitzt. Um ganze zehn Zentimeter überragt er den Puerto-Ricaner. Schon in seiner eigentlichen Gewichtsklasse, dem Weltergewicht, ist Cotto nicht eben ein Brocken – im Halbmittelgewicht wirkt er geradezu winzig.

Die Taktik sollte also klar sein. Cotto muss die Distanz überwinden und Foremans Körper attackieren. Dass er dabei Gefahr läuft getroffen zu werden, muss er einkalkulieren. Er muss Druck machen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Foreman nicht damit umgehen kann, wenn sein Gegner ihm den Kampf aufzwingt. Die meisten Gegner, die er besiegte, waren bestenfalls Mittelmaß und ließen sich bequem den Kampfverlauf von Foreman aufdiktieren. Tut Cotto dies nicht und treibt seinen Gegner stattdessen, stehen die Chancen gut, dass er ihn stellen und mit Kombinationen eindecken kann.

Das muss er auch. Und zwar von Beginn an. Denn Foreman ist ein Punktesammler. Und ein altes Leiden Cottos könnte in diesem Fight zum echten Problem werden: seine Anfälligkeit für Cuts. Besonders über dem linken Auge ist eine Platzwunde im Grunde schon garantiert. Zumal der größere Foreman tiefe Meidbewegungen ausführt, sich in Schläge hineinlegt – die Gefahr von versehentlichen Kopfstößen ist allgegenwärtig. Sollte der Kampf wegen eines Cuts abgebrochen werden, muss sichergestellt sein, dass Cotto bereits führt.

Im Grunde sollte dies allerdings kein Problem darstellen. Foreman ist überbewertet, ein typisches Produkt der amerikanischen Medienmaschinerie. Eine tolle Geschichte: der Boxer der Rabbi werden will – mehr aber auch nicht. Seinen Titel gewann er gegen einen alternden Daniel Santos, der seiner früheren Form schon lange hinterherläuft. Cotto hingegen stand bereits gegen einige der größten Namen des Sports im Ring, verlor lediglich gegen Antonio Margarito und den momentan kaum zu schlagenden Manny Pacquiao. Cotto kennt das Scheinwerferlicht der großen Bühne, er fühlt sich wohl darin. Etwas, dass Foreman noch beweisen muss.

Man muss allerdings gestehen, dass Miguel Cotto nicht mehr derselbe Boxer wie früher ist. Die Zeiten, in denen er gnadenlos marschierte, seine Gegner mit Bodyshots eindeckte und aus dem Rhythmus brachte, sind vorbei. Gegen Margarito sah er zu Beginn gut aus, sammelte Punkte, doch sammelte eben soviel Schaden – der Kampf wurde in Runde 11 abgebrochen. Seine einzigen Niederlagen kamen in den letzten beiden Jahren. Der einzig große Name, den er in dieser Zeit schlagen konnte, war Joshua Clottey – via geteiltem Punktentscheid.

Sollte sich Cotto auf seine Stärken besinnen, Foreman kontrollieren, so sollte seinem Sieg allerdings nichts im Weg stehen. Ich tippe auf einen Punktsieg des Amerikaners.

 


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