Ground and Pound: Daniel, danke dass du dir Zeit genommen hast für das Interview. Wie geht es dir momentan?
Daniel Weichel: Danke, dass Ihr mir die Möglichkeit gebt mich über den Ausgang meines letzten Kampfes zu äußern, und da kommen wir auch zu meinem Gemütszustand: Ich habe mich die letzten Tage mit einigen unerfreulichen Mutmaßungen im Internet auseinandergesetzt und mich gefragt, was für ein Bild die Fans und Kritiker von mir haben. Abgesehen davon habe ich versucht etwas abzuschalten und zur Ruhe zu kommen
GnP: Was lief beim SLAMM M-1 schief?
DW: Erst einmal Gratulation an Jason Jones zu seinem Sieg, er hat mich klar besiegt und ich möchte ihm das auch nicht streitig machen, dennoch gibt es zwei Faktoren, die das Geschehen definitiv beeinflusst haben: Körperlich gesehen war mein rechtes Handgelenk ein großes Problem für mich, da ich es mir beim letzten Ringertraining drei Tage vor dem Kampf verstaucht hatte und somit kaum bewegen konnte. Mein Team und ich waren kurz davor meine Teilnahme abzusagen, aber ich wollte mir die Chance endlich mal wieder auf großer Bühne neben so vielen Topleuten zu kämpfen nicht entgehen lassen.
Als ich direkt vor dem Kampf noch erfahren musste, dass Franco schwer KO gegangen war, kann ich nicht bestreiten, dass ich meinen Fokus ein wenig verloren habe, denn Franco ist nicht nur ein wichtiger Trainingspartner sondern auch ein guter Freund. Ich hoffe, dass ich nicht falsch verstanden werde: Das sind Umstände mit denen viele Kämpfer umgehen müssen und deswegen soll es auch keine Entschuldigung für meine Leistung sein, sondern lediglich einen besseren Einblick in das Geschehene bieten.
Es tut mir leid, dass ich meinen Fans, meinem Team und allen Kritikern nicht zeigen konnte, dass ich absolut top vorbereitet war um einen spannenden Kampf abzuliefern, das ist es, was mich am meisten ärgert.
GnP: Der KO sah auf dem Video aus als hätte er nicht voll getroffen, erzähl uns bitte genau was da los war. Du wurdest ja sogar der Schauspielerei bezichtigt.
DW: Das Knie hat mich sowohl an der rechten Hand, als auch am Kopf erwischt und mich definitiv angeknockt. Der Ringrichter war sich im ersten Moment nicht sicher, ob das Knie erst erfolgt ist, als ich schon am Boden war und ich hätte die Chance gehabt weiter zu kämpfen, aber es wäre nur ein gesundheitliches Risiko gewesen, da ich meine rechte Hand weder schließen noch mit ihr greifen konnte. Deswegen haben wir uns dazu entschlossen, dass ich nicht weiterkämpfe. Als ich einen Tag später beim Arzt war wurde festgestellt, dass meine Hand angebrochen und meine Sehne schwer entzündet ist.
Jeder der mich kennt, weiß wie sehr ich den Sport liebe und deswegen haben mich die Mutmaßungen im Internet auch betroffen gemacht, denn ich würde niemals einen Kampf fingieren oder auf irgendeine Weise schauspielern. Ich finde es schade, wenn Menschen ein solches Bild von mir haben oder zu entwerfen versuchen. Darüber hinaus würde mich brennend interessieren, wo man auf meinen Kampf Geld setzen konnte, das nächste Mal kann ich dann auf mich setzen (lacht)
GnP: War es rückblickend ein Fehler in der 83kg Klasse anzutreten?
DW: Auch wenn man nicht allzu viele Chancen in unserem Sport bekommt, so glaube ich trotzdem nicht, dass es eine Fehlentscheidung war in einer höheren Gewichtsklasse anzutreten denn jede Erfahrung bringt einen weiter. Ich denke, dass der Kampf mir gezeigt hat, dass ich mich im Weltergewicht wohler fühle und meine zukünftigen Kämpfe wohl auch wieder in dieser Klasse bestreiten werde, jedoch kann und möchte ich nichts ausschließen.
GnP: 0-5 gegen die Niederlande, was sagst du zu deinen Mitstreitern und dem Team generell?
DW: Ich konnte leider keinen der anderen Kämpfe verfolgen und betrachte somit auch nur das Endergebnis, was natürlich ziemlich heftig erscheint, aber wie schon gesagt, denke ich, dass einen jede Erfahrung weiterbringt und in diesem Fall Schwächen deutlich wurden, an denen der Einzelne arbeiten kann. In Anbetracht der Tatsache, dass die Vorbereitungszeit für einige Kämpfer extrem kurz war, sollte man deren Kampfgeist umso mehr respektieren und anerkennen.
GnP: Du warst schon in Japan, USA und ganz Europa aktiv, wo ordnest du da M-1 Show größenmäßig ein?
DW: Ich denke, dass M1 eines der führenden Labels europa- aber auch weltweit werden kann, wobei man dennoch gemerkt hat, dass bei der Organisation noch einige Kinderkrankheiten zu finden sind. Dies ist aber ganz normal ist. Fedor ist natürlich der Star unseres Sports schlechthin und man muss sehen, ob und inwiefern er eine weitere Zusammenarbeit mit M1 praktizieren wird oder nicht. Ich denke, dass er für viele Kämpfer und Fans eine große Motivation darstellt.
GnP: Welche Show, in der du aktiv warst, war bislang die beste in punkto Professionalität und Umgang mit den Kämpfern?
DW: Das waren bisher definitiv Shooto Japan und European Vale Tudo in Schweden. Angefangen bei der Betreuung, über das Essen und die Unterkunft bis hin zum Ablauf war alles perfekt, so wie es sich jeder Kämpfer wünscht.
GnP: Erzähl uns bitte wie du zum Kampfsport und später MMA gekommen bist.
DW: Als kleiner Junge war ich verrückt nach Van Damme Filmen und allem was mit Kampfsport zu tun hatte. Also haben mich meine Eltern eines Tages in einen Ju Jutsu Verein gebracht. Von dort hat mich ein Freund nach Wetzlar mitgenommen, um ein Jiu Jitsu Probetraining bei Mario Stapel mitzumachen. An diesem Tag habe ich mich in diesen Sport verliebt. Die ersten zwei Jahre habe ich nur Jiu Jitsu trainiert, später kam noch Thai-Boxen dazu und MMA war somit die logische Konsequenz. Heute wie damals schaue ich mir alles an, was auch nur im Entferntesten mit unserem Sport zu tun hat und ich muss wirklich zugeben, dass sich Bilder schon sehr früh bei mir eingebrannt haben und der unbedingte Wunsch entstand selbst Kämpfer zu werden. Bis heute trainiere ich mit derselben Leidenschaft und dem Bewusstsein mir meinen eigenen Traum erfüllen zu können.
GnP: Wer ist die einflussreichste Figur in deiner Karriere bisher?
DW: Ohne Zweifel ist das Mario Stapel. Als ich damals mit 15 Jahren in seine Academy kam hat er mich wie einen Sohn aufgenommen Auch wenn sich das vielleicht sentimental oder theatralisch anhört, so kann ich es trotzdem nicht anders beschreiben; er hat die Leidenschaft für diesen Sport in mir erkannt und gleichzeitig entfacht.
GnP: Was bedeutet MMA für dich? Ist es nur ein Sport, gehst du in den Ring um dich zu messen oder geht es auch darum Aggressionen loszuwerden?
DW: MMA ist für mich eine Lebenseinstellung und vor allem auch ein Weg, den ich noch lange beschreiten möchte. Dieser Sport verlangt einem alles ab, wenn man ihn ernsthaft betreibt und man wächst von Kampf zu Kampf, nicht nur die Technik und die körperlichen Voraussetzungen verbessern sich, sondern auch das Verständnis des eigenen Wesens. Ich kann mir kaum eine Situation vorstellen, in der man sich selber besser kennen lernen kann, als vor einem Kampf. Darüber hinaus kann man nur durch den Wettkampf feststellen, wo die persönlichen Schwächen liegen und an was man noch arbeiten muss. Mit Aggressionen hat das wenig zu tun, im alltäglichen Leben bin ich ein ausgeglichener Mensch, der sich nur selten aus der Ruhe bringen lässt.
Ich bin dankbar, dass ich meinen Traum leben kann und versuche durch meine Leistung etwas zurückzugeben: meinem Team, meiner Familie, die mich ungemein unterstützt, natürlich meinen Fans und allen die mich sehen und sich auf welche Weise auch immer von mir inspirieren lassen.
GnP: Du arbeitest als Betreuer in einem Kinderheim, hat dich ein Halbstarker dort oder auf der Strasse schon mal herausgefordert?
DW: Es gibt sicherlich immer wieder Situationen in denen Jungendliche die Machtverhältnisse auf die Probe stellen wollen, aber der Sport verleiht mir enormes Selbstvertrauen und Gelassenheit, sodass ich bisher immer eine friedliche Lösung finden konnte.
GnP: Seit dem Erreichen des MAX Finals stagniert deine Karriere. Zwei bittere KO Niederlagen und zwei Siege gegen Gegner, denen du in punkto Erfahrung um Längen voraus warst. Wo bleiben die hochkalibrigen Kämpfe für eines der größten Talente Deutschlands?
DW: Sicherlich war es keine schöne Erfahrung gegen Paul Daley und Jason Jones KO zu gehen, aber es spornt mich dazu an noch härter zu trainieren und an meinen Fehlern zu arbeiten. Beide sind Top Kämpfer und Verlieren gehört eben dazu, ich versuche in die Zukunft zu blicken und mich nicht auf meine Niederlagen zu konzentrieren. Man sollte nicht vergessen, dass ich erst 23 Jahre bin und ich noch viel Zeit habe. Trotzdem möchte ich mehr Kämpfe pro Jahr bestreiten und scheue keinen Top Gegner. Außerdem habe ich vor dieses Jahr wieder nach Brasilien zu fliegen, um dort für einige Wochen zu trainieren.
GnP: Dennis Siver hat den Award als bester deutscher Kämpfer 2007 abgeräumt. Verdient oder bitter für dich, da du ihn ja 2006 schlagen konntest?
DW: Ich respektiere Dennis als Kämpfer und als Mensch. Er hat gute Kämpfe gegen starke Gegner geliefert und steht beim größten MMA Label der Welt unter Vertrag. Er hat den Award sicherlich verdient und ich gratuliere ihm dazu.
GnP: Gibt es momentan einen Kämpfer, den du gerne kämpfen würdest? Wenn du die Wahl hättest, wer wäre dies?
DW: Ich würde gerne ein Rematch gegen Mathias Award machen. Damals war ich noch unerfahren im Käfig. Ich denke, dass ich mich weiterentwickelt habe und es ein sehr interessanter Kampf werden würde.
GnP: Iwan Mussardo, deine Meinung zu ihm und den immer noch ausstehenden Kampf.
DW: Iwan ist ein Topkämpfer und ich freue mich sehr darauf gegen ihn anzutreten. Ich denke, dass das einer der Kämpfe ist, den viele Leute sehen möchten, nicht zuletzt wegen dem noch ausstehenden „MAX“ Finale.
GnP: Als Grappler bist du bekannt, denkst du nicht, dass du dein Spiel gerade im Stand verbessern musst? Gegen Jones und Daley wurde klar, dass es Probleme gibt wenn du den Takedown nicht bekommst. Du sahst im Stand dort nicht sicher aus. Arbeitest du nun speziell daran?
DW: Ich versuche ständig mein Training zu optimieren. Leider ist es in Deutschland nicht immer leicht mit beständigen Trainingspartnern und Trainern zu arbeiten. In zukünftigen Kämpfen möchte ich unter Beweis stellen, dass ich kein eindimensionaler Kämpfer bin, sondern durchaus auch im Stand Leistung bringen kann; dementsprechend werde ich viel mit Pratzen arbeiten und auch versuchen meine Clincharbeit zu verbessern.
GnP: Dein Mentor Mario Stapel hat vor kurzem erwähnt dass er in die Staaten ziehen wird um sich dort zu verbessern. Was machst du, wer wird dich managen? Aus England war reges Interesse an dir zu hören, auch wenn nach der Absage beim UWC ein fader Beigeschmack übrig ist.
DW: Es gibt einige wichtige Entscheidungen zu treffen über die ich jetzt noch nichts näheres sagen kann und möchte, ich werde euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten.
GnP: Am 5. April geht’s in Mannheim für dich weiter, wie läuft die Vorbereitung auf den Kampf gegen den „Mungo“ Ian Jones?
DW: Auf Grund meiner angebrochenen Hand kann ich (körperlich) nur Konditionstraining machen, aber ich verbringe viel Zeit mit „theoretischem“ Training- denke über verschiedene „Gameplans“ nach und analysiere meine Fehler. Meine Motivation könnte nach der Niederlage gegen Jason Jones nicht größer sein und ich bin froh bald wieder in den Ring /Käfig steigen zu können um zu zeigen, was ich wirklich kann.
GnP: Daniel, wir danken dir für deine Antworten! Hast du noch letzte Worte für unsere Leser in Österreich, Schweiz und Deutschland?
DW: Sehr gerne und jederzeit wieder. „Dies der wichtigste Tag in deinem Leben und du...“ Dieses Zitat stammt aus einem meiner Lieblingsfilme „Fight Club“ und ich muss unweigerlich vor jedem Kampf daran denken. Komisch, wie sich manche Dinge im Leben wiederholen. Es ist wichtig zu seinen Entscheidungen zu stehen und an seine Überzeugungen zu glauben, das kann ich nur jedem empfehlen. Wer kneift, wenn es darauf ankommt verpasst das Beste!
Ich danke all meinen Trainern, Schülern und Trainingspartnern, vor allem „Ortega“, der mich bei meinen Vorbereitungen immer sehr unterstützt. Danke auch an meinen Sponsor ATTACK Fight Sport und natürlich an alle meine Fans und Supporter des Sports.
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