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Rubrik: Biografien

Portrait einer Legende: Royce Gracie

- Sonntag, 28. Januar 2007
Royce GracieNameRoyce Gracie
Spitzname-
Kampfrekord13-3-3
Geburtstag12. Dezember 1966
Größe/Gewicht1,85m/81kg
MannschaftTeam Royce Gracie
KampfstilGracie Jiu-Jitsu
HeimatstadtRio De Janeiro
NationalitätBrasilianer
Debüt12. Novmber 1993
EinzugsmusikTrevor Jones - Fort Battle
Website

http://www.roycegracie.tv/

Als Royce Gracie im Januar 2006 nach elf Jahren Abstinenz ins Octagon der UFC zurückkehrte und verkündete "dies ist mein Haus, ich hab's gebaut", da rollten die meisten der durch die "Ultimate Fighter" Reality Show zur UFC gekommenen Fans mit den Augen. "Was will der Opa da im Käfig und was redet der da überhaupt?", war der Tenor. Wenig wußten sie davon, daß der damals 39jährige Royce Gracie einer der bedeutendsten und einflußreichsten Kampfsportler aller Zeiten ist. Obwohl er körperlich zu keiner Zeit seiner Karriere besser gebaut war, als der Durchschnittsbürger, demonstrierte er eindrucksvoll, daß mit der richtigen Technik auch Gegnern, die deutlich größer, stärker und aggressiver sind, beizukommen ist. Diesen Beweis lieferte der Sohn des legendären Hélio Gracie, eines der Urväter des Brazilian Jiu-Jitsu, Anfang/Mitte der Neunziger Jahre gleich ein Dutzend mal ab. Ort des Geschehens war die gerade gegründete UFC, die zur damaligen Zeit eigentlich nicht mehr als ein Infomercial für Gracie Jiu-Jitsu gewesen ist.

Royce trat gegen sieben weitere Kämpfer aus aller Welt an: Art Jimmerson, ein Boxer, der so unvorbereitet war, daß er nur einen Boxhandschuh anhatte. Teila Tuli, ein 188kg schwerer Sumoringer und die erste Lektion für die UFC, das größer nicht automatisch besser sein muß. Pat Smith, ein großmäuliger Kickboxer und der erste „Bad Boy“ der UFC. Zane Frazier und Kevin Rosier, zwei weitere Kickboxer, die genau genommen aber nur bessere Straßenkämpfer waren und ein junger Kämpfer namens Ken Shamrock, dem der erste Aufgabegriff der UFC-Geschichte gelingen sollte. Der Ausgang ist bekannt, Royce gewann UFC 1 und um zu zeigen, daß es nicht bloß eine Eintagsfliege gewesen war, auch noch zwei der nächsten drei UFC-Turniere, wobei UFC 2 sogar ein 16-Mann-Turnier gewesen ist, was bedeutet, daß er gleich vier Kämpfe an nur einem einzigen Abend bestreiten mußte. Obwohl er nicht siegreich war, hatte Royce den größten Kampf seiner Karriere unbestritten außerhalb der UFC in PRIDE.

Im Viertelfinale des PRIDE Grand Prix 2000 traf er auf den neuen Erzrivalen der Gracie-Familie, den Japaner Kazushi Sakuraba. "Saku", der nicht aus dem Jiu-Jitsu, sondern aus dem Catch Wrestling kam, hatte sich Ende der Neunziger einen Namen mit Siegen über zahlreiche Brasilianer gemacht, u.a. auch über Royces älteren Bruder Royler, den er sogar mit einem Kimura zur Aufgabe zwingen konnte. Nach fünf Jahren ohne Wettkampf kehrte Royce in den Ring zurück und lieferte sich mit dem zwei Jahre jüngeren Sakuraba ein neunzigminütiges "Iron Man Match", das als einer der besten Kämpfe in die Geschichte eingegangen ist. Nach andertalb Stunden, einer unglaublichen Menge Prügel und einem gebrochenen Fuß mußte Royce schließlich aufgeben. Trotzdem erlangte er auch im Land der aufgehenden Sonne höchsten Respekt für seinen enormen Kampfgeist. In den darauffolgenden Jahren blieb Japan die sportliche Heimat Gracies und er machte in jedem Jahr noch einen Super Fight gegen populäre Lokalmatadore wie Judo-Olympiasieger Hidehiko Yoshida oder Sumo-Yokozuna Akebono.

Mitte des neuen Jahrtausends begann der mit großen Schritten auf die 40 Jahre zugehende Wahlkalifornier dann jedoch langsam stark abzubauen. An Silvester 2005 wurde er vom fünfzehn Kilo leichteren Federgewicht Hideo Tokoro vorgeführt und hatte es nur dem extra für ihn modifizierten Regelwerk zu verdanken, daß der Kampf Unentschieden gewertet wurde. Im Mai 2006 stieg Royce bei seiner Rückkehr in die UFC dann das vorerst letzte Mal in den Käfig und von Weltergewichts-Weltmeister Matt Hughes innerhalb von einer Runde deutlich geschlagen. Auch wenn die letzten Jahre seiner Laufbahn wenig ruhmreich verlaufen sind, so war Royce Gracie auf dem Höhepunkt seiner Karriere seinen Gegnern um Lichtjahre überlegen.

Stärken:

* Schwarzgurt in Brazilian Jiu-Jitsu
* unglaubliche Nehmerqualitäten
* großer Stratege mit ausgezeichneter Ringpsychologie

Schwächen:

* eindimensionaler Kämpfer
* keine K.O.-Power
* körperlich wenig imposant

Größte Erfolge:

2x UFC 8-Mann Turniersieger (1993, 1994)
1x UFC 16-Mann Turniersieger (1994)
1x PRIDE Grand Prix Viertelfinalist (2000)
1x UFC Hall of Fame (2003)